Literarisches Fundstück: Flaubert & Metaphern & Assonanzen

Um fünf Uhr beim Artiste gewesen: Gautier, Feydeau, Flaubert. […]

Große Diskussion über Metaphern. „Seine Überzeugungen mußten sich für sein Verhalten nicht schämen“, von Massillon, freigesprochen von Flaubert und Gautier, „Er übte die Reitkunst aus, dieser Piedestal der Fürsten“, von Lamartine ohne Einspruch verurteilt.

Danach eine schreckliche Diskussion über Assonanzen, eine Assonanz muß nach Flauberts Ansicht vermieden werden, auch wenn man acht Tage dransetzen müßte, sie zu vermeiden … Sodann zwischen Flaubert und Feydeau tausend Rezepte für Stil und lebhafte Ausdrucksformen; kleine Verfahren zur Mechanik, hochtrabend und gewichtig dargelegt; eine kindische und ernsthafte Diskussion, lächerlich und feierlich, über Schreibstil und die Regeln für gute Prosa. Soviel Bedeutung für das Kleidungsstück der Idee, für ihre Farbe und ihr Gespinst, so daß die Idee schließlich nichts mehr war als ein Kleiderhaken, an den man Laute und Strahlen hängt. Es schien uns, als seien wir in eine Diskussion von Grammatikern des Oströmischen Reiches geraten.

Gefunden in: Edmond & Jules de Goncourt, Journal. Erinnerungen aus dem literarischen Leben, vollständige Ausgabe in 11 Bänden nebst einem Beibuch, Bd. 1: 1851–1857, aus dem Französischen von Petra-Susanne Räbel, Leipzig: Haffmans Verlag bei Zweitausendeins, 2013, S. 441f.

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