Besprechung: Wolfgang Matz, 1857. Flaubert, Baudelaire, Stifter, 2007.

23_matz_1857Als einen der ersten Texte meines Lesevorhabens zur literarischen Moderne habe ich mir Wolfgang Matz‘ umfangreiche literaturwissenschaftlich-essayistische Studie 1857 vorgenommen. Der Grund dafür ist ganz einfach: 1857 ist – wenn man denn so will – das Jahr, in dem die literarische Moderne begonnen hat, denn in diesem Jahr erscheinen sowohl Madame Bovary von Gustave Flaubert als auch Les Fleurs du Mal von Charles Baudelaire, zwei der ersten modernen Texte ihres jeweiligen Genres. Außerdem erscheint in diesem Jahr der Nachsommer von Adalbert Stifter, der in dieser Reihung etwas herausfällt. Matz widmet sich in seinem Buch nacheinander den Autoren und ihren Werken, um abschließend einen Blick auf ihren wahrscheinlich einzigen gemeinsamen zeitgenössischen Leser zu werfen. Zunächst beschäftigt er sich in einem einführenden Teil mit der Frage, was die Moderne ausmacht und womit sie beginnt. Darüber, dass dies eine schwierige Frage ist, habe ich bei der Beschreibung des Lesevorhabens schon etwas geschrieben und diese Problematik zeigt sich auch in der Ouvertüre zu Matz‘ Buch, die sich vor allem nichtliterarischen Phänomenen widmet. Beginnend mit der Unterscheidung zwischen der noch gemalten Welt und der schon fotografierten Welt, zieht er eine Linie zwischen Autoren wie Goethe und Stendhal auf der einen und Flaubert und Baudelaire auf der anderen Seite. Damit verknüpft Matz seine Ausführungen zur literarische Moderne also mit einem bedeutenden technischen Fortschritt. Der Fotografie stellt Matz dann die Eisenbahn an die Seite, mit der der moderne Tourismus und das „Engwerden der Welt“ einhergehe. Neben der Technik nimmt Matz dann auch die gesellschaftlichen Umbrüche seit dem Ende des 18. Jahrhunderts auf und macht hier moderne Aspekte fest. Damit hat Matz natürlich nicht unrecht: Die gesellschaftlichen Veränderungen seit der Zeit um 1800 sind gigantisch und ihre Auswirkungen betreffen auch das, was einen Flaubert und einen Baudelaire auszeichnet. Dass aber (natürlich, und das will Matz auch nicht sagen) auch die Schwelle der Fotografie und die beobachteten gesellschaftlichen Phänomene nicht allein den Unterschied zwischen Vormoderne und Moderne ausmachen können, zeigt, dass mit Baudelaire und Flaubert auch Balzac und Eichendorff jenseits der Schwelle stehen. Beide entsprechen jedoch auf ihre jeweilige Art eindeutig nicht der Modernität eines Flaubert oder Baudelaire.

Nach diesen allgemeinen Ausführungen zur Frage der Moderne beginnt Matz mit dem Teil zu Flaubert und Madame Bovary. Dabei widmet er sich zunächst der Kindheit und Jugend des Dichters, wobei er sich von Anfang an erfreulich stark auf seine Entwicklung zum Schriftsteller und seine Jugendschriften fokussiert. Obwohl sich Flaubert sehr früh zum Schriftsteller bestimmt sieht – oder gerade wegen der damit verbundenen angestrebten Perfektion –, macht er fast keinen Versuch seine frühen Texte zu veröffentlichen. Anhand dieser inzwischen trotzdem veröffentlichten Jugendwerke beschreibt Wolfgang Matz Flauberts Ringen um eine – sprachlich und inhaltlich – eigene Dichtung. Dabei ist er hin und her gerissen zwischen romantischen Themen, mystischen Motiven und realistischer Gegenwartsanalyse. Laut Matz ist es dann der „Zwang, eine gehaßte Gegenwart wenigstens literarisch zu zerstören“, die ihn „zum Realistischen treibt“, trotzdem bleiben alle drei Interessen bis zum Lebensende präsent. Flaubert arbeitet vor allem daran, seine „konsequente Durchdringung von Stil, Analyse und Handlung“ zu finden; ein hoffnungsvoller Versuch wird jedoch mit den – berühmt gewordenen – Worten zweier Freunde „Wir denken, Du solltest das ins Feuer werfen und nie wieder davon reden“ abgelehnt.

Über die mühevolle Arbeit an Madame Bovary, Flauberts erstem großen Roman, der zwischen 1850 und 1856 entsteht, weiß man vor allem dank seinem Briefwechsel mit Louise Colet, Flauberts langjähriger Geliebter, sehr gut Bescheid, denn Flaubert hat dieser all seine poetologischen und ‚handwerklichen‘ Überlegungen mitgeteilt. Matz konzentriert sich bei den folgenden Ausführungen zum einen darauf, wie detailliert Flaubert das kleinbürgerliche und ländliche Milieu des Romans schildert und aufs Korn nimmt. Dabei erklärt er, dass der Apotheker Homais eben nicht einfach nur die Karikatur des Kleinbürgers ist, der sich Aufklärung und Fortschritt in naiver Weise verschrieben hat, sondern dass dieser auch positiv und realistisch gezeichnet werde, was letztlich die Fallhöhe ausmacht und im wunderbaren letzten Satz des Romans mündet. Zum anderen stellt Matz dar, dass mit Madame Bovary der Roman als perfekt konstruiertes Kunstwerk entsteht, den es so zuvor noch nicht gegeben hat. Dabei rückt der Inhalt des Romans, den Flaubert einer Zeitungsmeldung entnommen hat, in den Hintergrund. Stattdessen schreibt Matz:

Flaubert verlangte von sich nämlich keineswegs, wie der populäre Irrtum es will, einfach nur „schön zu schreiben“. Es ging ihm darum, für die Prosa des Romans eine Sprache zu entwickeln, die sie auf die Höhe der klassischen Gattungen zu heben vermöchte. Nicht ein abstraktes Stillideal wird das entscheidende Kriterium für das Gelingen sein, sondern zunächst einmal die vollkommene, mimetische Adäquatheit der Sprache gegenüber dem jeweils Erzählten.

Das zeigt sich nicht nur in der Sprache, sondern auch in der Konstruktion des Romans. Alles hat seinen Sinn und Zweck und so gelingt es Flaubert ein Buch als Desillusionierung der Romantik (und der Aufklärung) zu schreiben, ohne dass eine einzige Figur dies versteht oder gar ausspricht. Alles wird gezeigt, alles ergibt sich aus der Handlung. Das und die Tatsache, dass Flaubert dazu auch noch perfekt konstruierte Szenen (Die Landwirtschaftsszene, II, 8) und wunderbare Beschreibungen (Charles Mütze, I, 1) verfasst, machen Madame Bovary zu einem der besten Romane der Literaturgeschichte und zum ersten modernen Roman. Ihm blüht dann mit dem als „Affäre Bovary“ bekannten Gerichtsprozess gleich ein denkbar skandalöser (und verkaufsfördernder) Start. Den Vorwurf, der Flaubert gemacht wird, sein Roman zeige Leidenschaften ohne sie moralisch zu verurteilen, will Matz dann auch gar nicht entkräften. Es sei klar, dass Madame Bovary nicht dem Anstand der Zeit entsprochen habe, letztlich ist diese schonungslose Darstellung der Gesellschaft jedoch Teil seiner Modernität.

Der zweite Teil über Baudelaire beginnt leider damit, dass sich zwei Dinge verändern, die im ersten Teil sehr angenehm waren. Zum einen schreibt Matz jetzt mehr über biografische Details als zuvor. Die Begründung lautet, dass man Baudelaire ohne diese kaum verstehen könne, das scheint mir jedoch eher eine Biografenfloskel zu sein. Zum anderen beginnt Matz damit, Baudelaires Lebensstil zu werten – zwar nicht permanent, aber doch immer wieder. Das ist überflüssig, denn inwiefern Baudelaire unfähig zu einem bürgerlichen Leben war und ob dies dem Autor missfällt, interessiert mich als Leser wenig. Wenn man Baudelaire liest, dann steht wohl kaum zur Debatte, dass dieser ein angenehmer Zeitgenosse gewesen sein könnte, aber interessant ist ja der Autor Baudelaire, wie es im ersten Teil auch der Autor Flaubert war. Inhaltlich präsentiert Matz jedoch einige interessante Punkte, die den jungen Baudelaire ausmachen, sei es seine Lust an der Provokation oder sei es seine Stilisierung als das, was Verlaine später als poète maudit bezeichnet. Eine frühe, beeindruckende Äußerung in dieser Richtung ist das Gedicht L’Albatros.

Leider setzt sich diese Haltung dann auch in dem Teil fort, in dem sich Matz intensiver mit Baudelaires Dichtung beschäftigt, im Mittelpunkt steht dabei natürlich der epochenmachende Gedichtband Les Fleurs du Mal. Matz scheint Baudelaire permanent entlarven zu wollen. Immer wieder gibt es Verweise darauf, dass Baudelaire uneinheitlich und inkonsequent ist, immer wieder werden moralische Urteile gefällt. Interessanterweise (und natürlich vollkommen uneinheitlich…) wird Baudelaire sowohl moralisch verurteilt, als auch dafür verurteilt, dass er selbst – entgegen dem, was er sagt – moralische Kategorien in sein Werk einbezieht. Dabei scheint mir bei Matz jedoch ein grundlegender Irrtum vorzuliegen: Baudelaire denkt durchaus in moralischen Kategorien (das Werk heißt ja: Die Blumen des Bösen), aber er gewichtet das Ästhetische eben höher als das Moralische und macht so auch aus dem Hässlichen und dem Unmoralischen wunderbare Kunstwerke (Das beschreibt 100 Jahre nach dem Erscheinen von Baudelaires Werk Hugo Friedrich als „Ästhetik des Häßlichen“ und es spielt auch in Peter-André Alts Buch über die Ästhetik des Bösen eine große Rolle.). Matz‘ unbedingter Wille zur Entlarvung nimmt teilweise kuriose Züge an: Ein wiederholter Vorwurf an Baudelaire ist dessen Unproduktivität und so heißt es dann abwertend über die Phase nach 1857, es gelingt ihm „zwar noch, die Gattung des Prosagedichts als solche zu etablieren“, aber das war es dann auch. Mir scheint die Etablierung einer neuen Literaturgattung durchaus noch ein wichtiger Schritt zu sein, für Matz ist das jedoch nicht genug.

Trotz dieser generellen Haltung schreibt Matz auch einige interessante Punkte über Baudelaire, etwa über den Zusammenhang von Ennui und der nachrevolutionären Epoche, Baudelaires spezifische Modernität, die immer auch eine Ablehnung der Moderne ist, und seine Erotik, in der gerade Verderbtheit modern und anziehend ist. Auch Matz‘ Interpretation von Une charogne (Ein Aas – eines der berühmtesten Gedichte Baudelaires) ist sehr interessant zu lesen, genau wie die Ausführungen zur zeitgenössischen Rezeption durch Victor Hugo (anerkennend, aber gönnerhaft), Sainte-Beuve (autobiografisch, erkennt das Neue nicht, was ihm Proust später vorwirft) und Flaubert (begeistert!). Andere Dinge sind dann wieder ambivalenter, so etwa Baudelaires Verhältnis zur Romantik und auch seine Poe-Rezeption: Einerseits lobt Matz dessen Übersetzungen, andererseits wirft er ihm vor, sich in dieser Zeit selbst nicht weiterzuentwickeln und – wiederum – unproduktiv zu sein, indem er seine Zeit an einen „zweitrangigen Kurzgeschichtenautor“ verschwendet. Da kann man auch anderer Meinung sein! Geradezu lustig ist dann Matz‘ Vorwurf, Baudelaires dauernde Provokation sei nicht mehr aktuell, ja das Vergänglichste an seinem Werk. Dabei zeigt doch gerade die Art, wie Matz diesen Provokationen immer wieder auf den Leim geht, dass sie weiterhin aktuell sind, da sie ihre Funktion erfüllen.

Mit dem Beginn des Kapitels zu Stifter hat man dann das Gefühl, dass Matz wieder ein Gebiet betritt, das ihm liegt und auf dem er sich wohl fühlt. Stifter ist ein Autor, dem er große Teile seines Lebens gewidmet hat, als Herausgeber seiner Werke und als Biograf. Außerdem schreibt Stifter erzählende Prosa und nicht wie Baudelaire Lyrik und das ist, wie Matz schreibt, „die Kunstform der Gegenwart und der Zukunft“. Zwar gibt es auch bei Stifter Dinge und Lebensumstände, die Matz bemängelt, gerade in den jungen Jahren, in denen Stifter hadert, als Maler und Schriftsteller dilettiert, sein Studium abbricht und ein „leichtes Mädchen zwielichtiger Herkunft“ heiratet, aber all das, was ja den Lebensumständen Baudelaires gar nicht so unähnlich ist, kann Matz hier besser ertragen, denn Stifter ist ein Autor von „erstaunlicher Könnerschaft“. Diese Könnerschaft zeigt sich dann auch, als Stifter relativ spät (mit 35) das literarische Parkett betritt. Gleich die ersten Erzählungen, die er veröffentlicht, werden große Erfolge und Gesprächsthema in der literarischen Öffentlichkeit, entsprechend steigen Stifters Honorare, die finanzielle Situation entspannt sich. Matz beschreibt dann, wie Stifter zunächst autobiografische Erfahrungen in seinen Erzählungen verarbeitet, um sich von dieser Herangehensweise jedoch bald wieder zu entfernen. Während die Jahre vor der 1848er-Revolution produktive Jahre sind, in denen Stifter „einige seiner größten Werke überhaupt“ veröffentlicht (Abdias, Die Narrenburg, Brigitta, Der Hagestolz und Der Waldgänger), ist die Zeit danach eher eine schwierige Phase. Sowohl politisch als auch künstlerisch stehen Neuorientierungen an, Stifter überarbeitet fast sein gesamtes bisheriges Werk und strebt dabei, laut Matz, eine an der Klassik und Goethe orientierte Glättung seiner Werke an, vorherige Anlehnungen an der Romantik und an Jean Paul werden getilgt. Schließlich steht dann in den 50er Jahren die Arbeit am Nachsommer und eine Italienreise an, die zumindest laut den Selbstzeugnissen eine große Wirkung hat.

Den Nachsommer Stifters stellt Matz dann als einen hochgradig kunstvoll konstruierten und artifiziellen Roman vor, der Stifters Reflexionen und Enttäuschungen aus der Revolution als Ideal eines aus der Gesellschaft zurückgezogenen Lebens in die 1820er Jahre verlegt. Dieser Rückzug zeigt sich schon daran, dass Heinrich, der Ich-Erzähler des Romans, keinen Beruf wählen muss, sondern sich ganz seinen privaten Interessen widmen kann. Er steigert sich weiter mit dem Leben im Rosenhaus, in dem Heinrich als Gast Risachs lange Jahre lebt und seine Bildung vervollkommnet, um dann abschließend die Stieftochter Risachs zu heiraten und mit ihr das perfekte kleinfamiliäre Idyll zu gründen, welches ihm immer als die Basis eines glücklichen Lebens vorgegeben wurde. Diese Handlung scheint mir für Matz‘ Ausführungen jedoch relativ unwichtig zu sein, da er viele andere Dinge sehr viel mehr hervorhebt. Ja, die ganze Handlung dient wohl vor allem als Ausdruck eines Lebensideals Stifters. Zu diesem Ideal gehört ein spezifischer Bildungsbegriff, der nicht darauf abzielt, eine freie, offene Persönlichkeit immer weiter zur Entfaltung zu bringen, sondern auf fast enzyklopädische Weise bestimmte Schritte nachzuvollziehen, an deren Ende ein angestrebter Zielpunkt steht. Dazu passt sehr gut, dass das Lebensziel sich darauf beschränkt, zu werden, wie die Eltern Heinrichs schon sind.

Viel mehr als die Handlung steht im Fokus Matz‘ die kunstvolle Erzählweise Stifters, seien es die kaum merklichen Veränderungen der Ausgestaltung des Ich-Erzählers, die teilweise soweit gehen, dass man nicht mehr genau weiß, wie sehr man dem Erzähler trauen kann, sei es der Gebrauch der Tempora oder die immer wieder variierte Langeweile und Ereignislosigkeit des Romans. Ihr Höhepunkt ist die wohl unspektakulärste ‚Schilderung‘ einer Hochzeitsnacht der Literaturgeschichte: „Ein Teil der Gäste hatte noch heute das Haus verlassen, ein anderer wollte es bei Anbruch des nächsten Tages tun, und einige wollten noch bleiben.“ Diese Ereignislosigkeit bringt Matz mit einem Widerstand gegen die bürgerlich-kapitalistische Eile und Zeitknappheit in Verbindung, der sich auch darin ausdrückt, dass demokratische Tendenzen der Zeit immer mit dem Bild der „Herde“ beschrieben und vor allem als Gefahr der Individualität gesehen werden. Schließlich führt Matz diese Argumentation soweit, in der Langeweile und Trivialisierung des Lebens „eine der großen Liquidierungen der Romantik“ zu sehen, die „den ersten großen ganz und gar artifiziellen Roman seines [Stifters] Jahrhunderts“ darstellt. Darüber, dass diese ‚Poetik der Langeweile‘ zeitgenössisch weder vom Publikum noch von der Kritik begeistert aufgenommen wurde, berichtet Matz im abschließenden Kapitel dieses Teils. Dies ändere sich auch mit dem Witiko nicht und werde schließlich in der Künstlererzählung Nachkommenschaften reflektiert.

Abschließend wendet sich Matz im letzten Teil seines Buches dem wahrscheinlich einzigen zeitgenössischen Leser der drei Autoren zu: Friedrich Nietzsche. Jeweils stellt er dar, was Nietzsche an den Autoren fasziniert und gestört hat, was einen interessanten Einblick in die Geistesgeschichte darstellt. Doch während des Endes der Lektüre fragt man sich langsam, ob Matz eigentlich noch etwas Vergleichendes über die drei Autoren sagen möchte, die bisher einzeln dargestellt wurden. Oder gibt es nichts Gemeinsames außer dem Jahr 1857 und dem Leser Nietzsche? Die Antwort gibt Matz schließlich im Nachwort: Die „unterirdischen Verbindungen“ sollen unterirdisch bleiben. Das ist natürlich die Entscheidung des Autors, es bleibt jedoch eine gewisse Enttäuschung. Die vom einführenden Teil geweckte Erwartung, mehr darüber zu erfahren, wie drei Autoren im gleichen Jahr auf eine ähnliche Situation reagieren und auf diese – wahrscheinlich unterschiedliche – Antworten finden, wird somit leider nicht eingelöst. Es bleiben drei Einzeldarstellungen in einem Buch, die sich auf interessante Weise aber mit unterschiedlicher Qualität den drei Autoren widmen. Die Darstellungen von Flaubert und Stifter sind wirklich gut, sie lesen sich angenehm und zeigen eine ausführliche und detailverliebte Beschäftigung des Verfassers mit den Autoren. Besondere Höhepunkte bilden dabei die Kapitel, die jeweils die Darstellung und Interpretation des Hauptwerkes behandeln, und dies auf sehr überzeugende Weise tun. Die Darstellung Baudelaires reicht von der Qualität leider nicht an die beiden anderen heran. Matz kann der Lebensart und Kunst Baudelaires einfach wenig abgewinnen, was zu einer unausgewogenen und moralisierenden Darstellung führt. Der Grund dafür scheint mir im Moderneverständnis Matz‘ zu liegen: Moderne ist für ihn die „Liquidierung der Romantik“ im realistischen Roman. Dem entsprechen Flaubert und Stifter selbstverständlich mehr als Baudelaire. Mit einem Blick auf das, was in der Moderne noch kommt – Symbolismus, Fin de Siècle, Décadence und viele weitere ‚unrealistische‘ Stilrichtungen –, ist dies jedoch eine sehr eng gefasste Annahme.

Wolfgang Matz, 1857. Flaubert, Baudelaire, Stifter, Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2007.

Diese Besprechung ist Teil meines Lesevorhabens zur literarischen Moderne.

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