Kurzbesprechung: David Pogue/Scott Speck, Klassik für Dummies, 1997.

WILEY VCH WEINHEIM GERMANYIch habe um die Für-Dummies-Reihe lange einen großen Bogen gemacht; Aufmachung und erste Eindrücke beim Hineinblättern haben mich nie angesprochen, außerdem gibt es ja für viele Themenbereiche andere Einführungen, die etwas seriöser daherkommen. Schließlich habe ich es doch gewagt und habe mir die Einführung Klassik für Dummies gekauft und dafür gibt es zwei Gründe: Erstens ist die klassische Musik ein Bereich, von dem ich glaube, dass er unglaublich reich ist und wunderbare Kunstwerke bereithält, der mir aber bisher relativ verschlossen geblieben ist. Natürlich kann man einfach so klassische Musik hören und auf sich wirken lassen, aber wie bei Literatur und bildender Kunst aus vergangenen Zeiten auch ist es doch oft so, dass mit dem Wissen auch die Fähigkeit zum Genuss wächst. Zweitens war es bei meinen bisherigen (nicht sehr ausgeprägten) Versuchen oft so, dass ich zwischen Banalitäten und sehr Eingeweihtem wenig gefunden habe.

Also habe ich den Versuch gewagt und er ist, wie erwartet, zwiespältig verlaufen. Angenehm ist, dass das Buch tatsächlich keine Vorkenntnisse ansetzt. Man kann einfach draufloslesen und wird relativ kleinschrittig und einfach in die Materie eingeführt. Dass es dabei dann doch relativ oberflächlich bleibt, war vorauszusehen. Wirklich unangenehm war der haha-komische Humor, mit dem die Autoren (Erfahrungsberichten nach: reihentypisch) versucht haben, die Materie aufzulockern. Die Scherze sind dabei so anstrengend gezwungen komisch, dass ich zwar einmal lachen und in wenigen Ausnahmefällen schmunzeln musste; viel öfter habe ich jedoch die Augen verdreht und laut gestöhnt. Gerade am Anfang war ich sehr versucht, das Buch wieder wegzulegen, danach schien mir die Dichte etwas abzunehmen, aber vielleicht bin ich auch einfach abgestumpft…

Trotz dieses fragwürdigen Humors liest man sich dann doch relativ gut in das Büchlein ein, nacheinander werden ein Überblick über die Musikgeschichte (auf 70 Seiten), eine Einführung in die unterschiedlichen musikalischen Formen und Instrumente sowie ein (sehr kleiner) Einblick in die Musiktheorie präsentiert. Abschließend folgen verschiedene Listen und Anhänge. Gut gefallen hat mir, dass es zu jedem Komponisten, aber auch zu jedem Instrument mehr oder weniger ausführliche Musiktipps gibt. Gerade das ist ja schwierig, wenn man als Einsteiger einige große Namen kennenlernt und dann vor einer langen Liste unterschiedlicher Werke steht, da hilft ein „das Klavierkonzert Nr. 2 in B-Dur op. 83 von Brahms ist toll“ sehr. Das gleiche gilt für Tipps zu Instrumenten („Wenn Sie wirklich mal eine tolle Oboen-Partie hören, dann…“).

Eingeschränkt wird der Lesefluss leider häufig durch die mangelnde Redaktion. Fehler sind menschlich und über vieles lese ich hinweg, aber hier merkt man doch sehr, dass gespart wurde: Tippfehler, Absätze mitten im Satz, Sätze, die im Nirgendwo enden… puh! Das kannte ich so bisher noch nicht.

Entsprechend fällt es mir in diesem Fall etwas schwer, ein Fazit zu ziehen. Abgesehen von der Tatsache, dass ich natürlich fachlich nicht befähigt bin, über das Buch zu urteilen und auch keine vergleichbaren Bücher gelesen habe, bleibt auch mein persönlicher Eindruck zwiegespalten. Die Schreibweise des Buches ist zwar tatsächlich sehr einfach und zugänglich, der quälende Humor und die mangelnde Redaktion gleichen das jedoch zumindest zu Teilen wieder aus. Trotzdem habe ich das Gefühl, grundlegend in das Thema eingeführt worden zu sein und einige schöne Musiktipps erhalten zu haben. Ob ich jedoch noch einmal zu einem Buch dieser Reihe greifen würde, weiß ich nicht. Wahrscheinlich würde ich immer erstmal versuchen, eine andere, klassischere Einführung zu finden.

Ein Zusatz, ein paar Tage später: Nachdem ich mit Michael Walshs Keine Angst vor klassischer Musik ein direktes „Konkurrenzbuch“ hinterhergelesen habe, möchte ich hier doch noch etwas positiver werden.  Im Gegensatz zu Walsh schafft Klassik für Dummies genau das, was es möchte und was ich mir von einem derartigen Buch erwarte: eine gute und strukturierte Einführung in das Thema, welche die wichtigsten Dinge anspricht und grundlegend erklärt. Vor allem die Strukturiertheit und der logische Aufbau sind große Pluspunkte dieses Buches.

David Pogue/Scott Speck, Klassik für Dummies, Übersetzung aus dem Amerikanischen von Matthias Kalle Dahlheimer und Harriet Gehring, 2016 (OA: 1997).

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