Kurzbesprechung: Joachim Kaiser, Sprechen wir über Musik, 2012.

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Der im Mai dieses Jahres verstorbene Kritiker Joachim Kaiser gehört wohl neben dem im literarischen Bereich noch bekannteren Reich-Ranicki zu den wenigen ‚Großkritikern‘ der deutschen Nachkriegsgeschichte. Wie sein Kollege auch war Joachim Kaiser sehr meinungsfreudig; während man Reich-Ranicki jedoch vor allem mit den großen Verrissen im Literarischen Quartett in Verbindung bringt, habe ich, in dem (wenigen), was mir bekannt ist, Kaiser als begeisterungsfähiger und positiver wahrgenommen. (Ich kenne neben diesem kleinen Büchlein vor allem die sehr ähnlich gelagerten Videofassungen und seine Besprechungen von Thielemanns Beethoven-Zyklus mit dem Dirigenten selbst.) Spannend finde ich an Kaiser auch, dass er als Musik-, Theater- und Literaturkritiker tätig war – ein durchaus beeindruckendes Feld! In Sprechen wir über Musik beantwortet der Autor in inhaltlich loser Folge ZuhörerInnen- und LesserInnenfragen, die sich um den Bereich der klassischen Musik drehen. Dabei ist das Spektrum sehr weit: Von der Frage „Ist die klassische Musik im Aussterben begriffen?“ bis hin zu detaillierten Fragen zum Verhältnis des Pianisten Glenn Gould zu Beethovens Sonaten wird vieles kursorisch abgedeckt. Gerade dieses Kursorische macht den Charme von Kaisers sehr mündlich gehaltenen kleinen Texten aus. Entsprechend passt der Haupttitel auch viel besser zu dem Buch als der strengere der Klassik-Kunde – um eine ‚Kunde‘, im Sinne einer systematischen Einführung oder Darlegung des Stoffes, handelt es sich hier wirklich nicht.

Trotzdem habe ich Kaisers Buch gerne gelesen und das liegt zum einen eben an diesem einfachen, zugänglichen Ton, der dazu führt, dass sich das Buch einfach ‚wegschmökern‘ lässt. Zum anderen liegt es auch an Kaisers meinungsfreudiger und positiver Art, die sich nicht in endlosen Abwägungen von Feinheiten verschiedener Einspielungen gefällt, sondern manchmal einfach sagt:

Nun, dieses Mozart-Adagio (KV 622) stellt wirklich eine Ausnahme, wenn nicht gar ein Wunder dar.

Oder:

Allerdings, wie er [Herbert von Karajan] als junger Mann in den 1950er Jahren Così fan tutte einspielte, wie er in den 1960er und 1970er Jahren mehrfach Gesamtaufnahmen von der Beethoven-Symphonien machte, wie er auch Bruckner, der gar nicht so sehr zu ihm passte, großartig, schön und in gewisser Weise schlank dirigierte, das war toll. Das hat keiner nach ihm geschafft.

Es gibt bestimmte viele Musikliebhaber, die genau das nun ganz anders sehen (und man muss nur einmal in die Amazon-Rezensionen der Werke schauen, um genau das bestätigt zu sehen), aber ich bin, wie ich schon ein paar Mal geschrieben habe, eben noch ein absoluter Anfänger auf dem Gebiet der klassischen Musik und da hilft es manchmal sehr, wenn jemand kommt und sagt: Hör dir doch mal Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur an, das ist fantastisch. Oder: Es gibt unzählige Bruckner-Einspielungen – die von Karajan ist gut!

Entsprechend habe ich aus Kaisers Sprechen wir über Musik einige wissenswerte Dinge und manch einen musikalischen Tipp mitgenommen. Das erwähnte Konzert von Mozart habe ich inzwischen auch gehört und es ist wirklich wunderschön!

Joachim Kaiser, Sprechen wir über Musik. Eine kleine Klassik-Kunde, München: btb, 2013 (OA: 2012).

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2 Kommentare zu „Kurzbesprechung: Joachim Kaiser, Sprechen wir über Musik, 2012.“

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