Kurzbesprechung: Axel Kuhn, Die Französische Revolution, 2012.

50_reclam_frz_revAxel Kuhn, ein deutscher Historiker, der sich laut Wikipedia der Geschichte der deutschen Demokratie seit dem 18. Jahrhundert verschrieben hat, hat für den Reclam-Verlag gleich zwei Bücher zur Französischen Revolution geschrieben, ein pinkes, etwas ausführlicheres und ein blaues in der Reihe „Kompaktwissen Geschichte“. Da ich als studierter Politikwissenschaftler mich gerade im Lehramtsanwärterdienst in Berlin befinde und das in diesem an Kuriositäten reichen Schulsystem bedeutet, dass ich auch Geschichte unterrichte (Historikern geht das umgekehrt genauso, sie unterrichten auch Politische Bildung.), griff ich zu diesem schmalen Büchlein, um die in meinem Gedächtnis etwas angestaubten Erinnerungen an die Ereignisgeschichte der Französischen Revolution wieder aufzufrischen und somit meinen Unterricht inhaltlich vorzubereiten. Um es gleich vorwegzunehmen: Diesen Zweck hat Reclams kleines blaues Bändchen gut erfüllt.

Kuhn vermittelt in drei größeren Kapiteln – Darstellung, Kontroversen, Quellen – einen knappen, aber konzisen Überblick nicht nur über die Ereignisgeschichte der Revolution, sondern auch über soziale und politische Hintergründe, die Vorgeschichte und unterschiedliche politische Haltungen in der Revolution und ihrer nachträglichen Rezeption. Gerade das Kapitel „Kontroversen“ ist dabei äußerst spannend, so werden hier etwa unterschiedliche gängige Interpretationsmuster der Revolution gegenübergestellt und Fragen nach der Notwendigkeit der Jakobinerherrschaft und der Möglichkeit der Rechtfertigung von Gewalt erörtert. Diese Ausführungen sind grundsätzlich interessesant zu lesen und für meinen speziellen Blickwinkel besonders hilfreich, sind wir doch im modernen gesellschaftswissenschaftlichen Unterricht angehalten, problemorientiert zu unterrichten.

Aber auch Kuhns darstellender Teil liest sich gut und ist sinnvoll (und klassisch) in die Ursachen sowie die drei Phasen der Revolution gegliedert. Dabei werden auch immer wieder größere Linien angedeutet, so wenn es darum geht, die weitere Ausdifferenzierung des ehemals dritten Standes im folgenden 19. Jahrhundert zu thematisieren. Auch der Quellenteil ist durchaus anschaulich, bietet er doch mit Auszügen aus den – soweit ich das beurteilen kann – zentralen Dokumenten der revolutionären Epoche dem Leser und der Leserin die Möglichkeit, sich den Gedanken der Zeit unverstellt zu nähern. Auch Kuhns kurze Abgrenzung des modernen Revolutionsbegriffs (gegen einen alten Revolutionsbegriff, gegen die Evolution und die Revolte) ist durchaus informativ und interessant.

Kuhn gelingt auf 154 reclam-kleinen Seiten eine spannende und an zentralen Ereignissen und Problemen orientierte Einführung in eines der wichtigsten Ereignisse der Geschichte der Menschheit.

Axel Kuhn, Die Französische Revolution (Kompaktwissen Geschichte), Stuttgart: Reclam, 2012.

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